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So hatte ich mir das nicht vorgestellt!

🩠 Corona! 🩠

Ich wollte ‚Talibea‘ als Seite ins Leben rufen, die stĂŒtzt, stĂ€rkt und tröstet. Erinnerung ermöglicht, eine Verbindung besiegelt und Hoffnung gibt.

Ende 2014 bin ich mit einem Ring ‚an den Markt‘ gegangen, der das Baby kurioserweise auf der Innenseite trĂ€gt. Der Ring war als Geschenk zur Geburt geplant. Aber wie das so ist: das Schicksal lacht sich kaputt, wĂ€hrend man selbst PlĂ€ne macht. Ich nannte das Projekt: ‚GlĂŒckskind‘.

Der Ring mit dem Baby innen wurde zum allergrĂ¶ĂŸten Teil von Menschen gefunden, gekauft und geliebt – denen das Schicksal ihr Baby genommen hat. Verwaiste Eltern. Ich habe sehr viel lernen und erfahren dĂŒrfen:

Eine wirklich ergreifende Situation war zum Beispiel, dass mich eine Kundin anrief um mir zu sagen: „Ich kann den Ring ausziehen!“ Ich glaube, wir haben beide geweint. Es ist eine zutiefst befriedigen der Arbeit, trauernden Menschen beistehen zu dĂŒrfen und ein Produkt anzufertigen, das Trost spenden kann.

Was ich aber auch gelernt habe, „GlĂŒckskind“ – das ist der falsche Name fĂŒr einen Ring, der von trauernden Eltern gefunden werden soll. Deshalb habe ich mich dran gemacht und Talibea ins Leben gerufen.

Trauer ist eine Ausnahmesituation. Aber eine Ausnahmesituation in Zeiten von Corona? Talibea sollte Anfang MĂ€rz 2020 starten. Mit dem Schmuck mit dem Baby und anderen SchmuckstĂŒcken, die das Herz berĂŒhren.


Ich glaube, das Schicksal ist vor Lachen vom Stuhl gekippt.

Corona. Die Familien, die in dieser Zeit ein Baby verlieren – unaussprechlich. Nicht nur, dass die Frauen im Krankenhaus auf der Station mit dem Neugeborenen sein werden, das war auch vor Corona so. Nein, die aktuelle Besuchssperre lĂ€sst sie in ihrer Trauer noch einsamer zurĂŒck. Trauergruppen, Beerdigungszeremonie, Treffen mit FreundInnen – alles nicht (ohne UmstĂ€nde) möglich.

In der Zeit, die ich mittlerweile mit dem Schmuck mit dem Baby auf der Innenseite verbracht habe, habe ich mir abgewöhnt zu denken „jetzt hast du alles gesehen“. Immer wenn ich dachte, das ist das Schlimmste, dann kam eine Frau, die berichtet, dass die vierte kĂŒnstliche Befruchtung endlich zu einer Schwangerschaft gefĂŒhrt habe. Sie habe ihre Zwillinge spĂ€t in der Schwangerschaft verloren. Sie hĂ€tte gerne einen Ring, doch die Ă€rztlichen Behandlungen haben das Budget aufs Ă€usserste strapaziert. Oder die Frau, die eine Eileiter-Schwangerschaft abbrechen lassen musste und bei diesem Abbruch einen Infekt bekam. Nun versucht sie bei ihrer Krankenkasse die Erstattung einer kĂŒnstlichen Befruchtung zu erreichen. Eine Frau fragte, ob man auch den Ehering mit einem Jamie-Ring kombinieren könnte. Sie habe den Mann und den Sohn auf der Autobahn verloren.

All diese Schicksale sind unbeschreiblich und lassen sich nicht miteinander vergleichen oder gar gegeneinander aufwiegen.

Doch es ist mir absolut klar: Social Distancing verschĂ€rft die Lage der Trauernden. Gleich, ob es sich um ein ‚ungeborenes Baby‘, ein verstorbenes Kind, oder einen verstorbenen Angehörigen handelt.

Ich bin Goldschmiedin. Dazu bin ich Mutter eines gesunden Sohnes. Ich versuche, mit dem Schmuck, den ich mache, Emotionen begreifbar zu machen. Eine Kundin sagte fĂŒr mich sehr treffend: “Jetzt habe ich mein Baby an der Hand.“

Ich bin da reingeschlittert. Ich bin keine Trauerbegleiterin und in keiner Weise – ausser durch das Leben – geschult. Bitte sehen Sie mir nach, wenn ich einen Fehler mache. Mir ist klar wie dĂŒnnhĂ€utig Menschen in Trauer sind. Wenn ich mit meinem Schmuck ein bisschen Trost spenden kann, wenn ich das Leben ertrĂ€glich machen kann, wo es unertrĂ€glich erscheint – dann bin ich schlicht sehr dankbar.

Wenn Sie diese Seite gefunden haben, dann hat Sie das Schicksal wahrscheinlich hart rangenommen. Sie haben meine ehrliche und aufrichtige Anteilnahme. Das Leben mischt. Ich weiß es nicht besser zu sagen. Gottseidank durfte ich schon in viele Ringe, die ursprĂŒnglich allein fĂŒr ein verstorbenes Baby angefertigt worden waren, spĂ€ter eine Gravur oder einen Stein einfĂŒgen, die fĂŒr ein lebendes Geschwisterchen stehen.

  1. Ingrid Warsow Ingrid Warsow

    Liebe Britta. Ich las Deine Zeilen, die so schön und ergreifend waren, daß ich weinen mußte.
    Ja, das Leben mischt die Karten ohne unser Zutun. Bevor ich glĂŒckliche Mutter eines Sohnes (57) wurde, mußte ich zwei Fehlgeburten erleiden. ICH weiß, wie schlimm das ist und wie sehr man leidet. Die Ärzte sagten, ich könnte kein Baby mehr bekommen. Ich weinte, betete und mein Mann und ich besuchten die Quelle in Lourdes. Das Wunder geschah. Meine Gebete wurden erhört. Aus Dankbarkeit nannten wir unseren Sohn MATTHIAS Die Gabe Gottes.
    Er ist ein wunderbarer Sohn, der seine Eltern liebt. Traurig sind wir nur, daß er keine Kinder haben kann. Ein Gendefekt.
    Das Leben mischt die Karten !!
    Ich bin ein großer Fan Deiner Kunst.
    Liebe GrĂŒĂŸe Ingrid.

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